PLL-Frequenzsynthese: Spezielles Problem mit dem
CD4046B (MC14046B) und 74HC4046
(-> Self-Bias-Circuit)
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Dieses Foto zeigt einen fast perfekten PLL-Frequenzmultiplier, bestehend aus einem CMOS-PLL-IC des Typs CD4046B (MC14046B) oder 74HC4046, einem passiven Loop-Tiefpassfilter, einem Feedbackfrequenzteiler des Typs CD4040B (MC14040B) oder 74HC4040 und einem als Schmitt-Trigger arbeitenden LMC555-Timer (CMOS-Version) auf einem Testboard. Weshalb nur fast perfekt, beschreibt der vorliegende Bericht... |
Die Voraussetzung
Zum vollständigen Verständnis setzt dieser Elektronik-Minikurs voraus, dass der Leser weiss, wie eine digitale Phase-Locked-Loop-Schaltung (PLL-Schaltung) funktioniert. Grundlagenwissen wird dazu nicht vermittelt. Empfehlenswerte Bücher sind "Theorie und Anwendungen des Phase-locked Loops" von Roland Best (ISBN: 3-85502-132-5) und "Halbleiter-Schaltungs-Technik" von Tietze/Schenk. "Das CMOS-Kochbuch" von Don Lancaster bietet ebenso, jedoch nur eine bescheidene aber durchaus praktikable Einführung in die Welt des PLL. Es gibt von mir ein spezieller Elektronik-Minikurs der zum PLL-Thema passt:
Im vorliegenden Artikel geht es einzig darum eine wichtige Schwachstelle der PLL-Bausteine CD4046B (MC14046B) und 74HC4046 zu fokussieren und dies soll dazu dienen, dass andere Schaltungsentwickler nicht die selbe Erfahrung machen und unnötig Zeit in die Fehlersuche investieren müssen. CD4046B von National Seminconductor Corporation (NSC) und MC14046B von Motorola sind elektronisch identisch. 74HC4046 ist die HCMOS-Version. Wenn alle drei Typen angesprochen sind, werde ich nur noch den 4046 erwähnen.
Definition der Betriebsspannung
In den Datenblättern der CMOS-Logik der Serie MC140xx oder CD40xx werden die Betriebsspannungen mit VDD und VSS angegeben. In den Datenblättern der HCMOS-Logik 74HCxxxx jedoch mit Vcc und GND, wie dies bei der bipolaren TTL-Logik üblich ist. Dies ist schon deshalb verständlich, weil die HC- und HCTMOS-Logik ursprünglich entwickelt wurde, um die TTL-Logik zu ersetzen, wo dies durch die Taktfrequenz möglich ist. Die HCTMOS-Logik dient als Schnittstelle zwichen der TTL- und HCMOS-Welt (TTL-Ausgang --> HCTMOS-Eingang). Nichts desto trotz ist es aber auch mit der HCMOS-Logik möglich, die ICs mit symmetrischer Betriebsspannung, z.B. mit ± 2.5 VDC, zu betreiben, was oft bei analog-digitaler Mischschaltung Sinn macht. Dies bedeutet, dass der vermeintliche GND-Anschluss eben auch an eine negative Spannung angeschlossen werden kann. Ich werde in diesem Kurs alle Speiseanschlüsse, gleichgültig ob CMOS oder HCMOS, mit Vcc und GND bezeichnen, da betreffs der Störungsbeschreibung des 4046 sowohl CMOS als auch HCMOS gemeint sind.
Die PLL-Schaltung mit dem 4046
Bild 1 zeigt wie der 4046 grundsätzlich beschaltet wird. Dieses
IC enthält drei Phasendiskriminatoren, die man auch Phasenvergleicher,
bzw. Phasenkomparatoren, bezeichnet. Sie haben einen gemeinsamen
Signaleingang (Pin 14) und einen gemeinsamen Komparatoreingang (Pin 3).
Im Beispiel von Bild 1 wird der Komparatortyp II (Pin 13) verwendet. Er
hat gegenüber Komparatortyp I den Vorteil, dass der PLL nicht auf die
Harmonischen der Referenzfrequenz (Pin 14) einrasten kann. Dies erlaubt
den PLL in einem grossen Frequenzbereich (grosser Fangbereich)
einzusetzen. Dies hat dafür den Nachteil, dass er schlechter das
Rauschen des Eingangsignales an Pin 14 unterdrückt. Dies kann der
Phasenkomparator I, der bloss aus einer EXOR-Schaltung besteht, besser,
jedoch rastet die PLL mit ihm auch auf Harmonische der Eingangsfrequenz
an Pin 14 ein. Zwei der drei Komparatoren sind in Bild 2 etwas
differenzierter dargestellt.
In Bild 1 folgt auf den Phasenkomparator II das passive
Loop-Tiefpassfilter, das hier ebenso nur angedeutet wird wie der
darauffolgende spannungsgesteuerte Oszillator, der VCO (Voltage
Controlled Oscillator). Sein Ausgangssignal führt über einen
Frequenzteiler (Divider 1/n) zurück zum Phasenkomparator. Dort werden
die beiden Phasen an den Eingänge miteinander verglichen und über das
Loop-Tiefpassfilter erhält der VCO-Eingang die korrekte Gleichspannung,
damit es zur exakten Frequenzmultiplikation f*n kommt. Damit ist
Regelfunktion erklärt.
Im Weiteren fokussieren wir den Sektor des Phasenkomparators, besser
gesagt, auf ein kleines aber wichtiges Detail von ihm, das ab Bild 2
thematisiert wird.
Weshalb nur fast perfekt?
Ein PLL-Regelkreis mit dem Phasenkomparator II, wie eben kurz
beschrieben, funktioniert perfekt stabil, mit geringem Phasenjitter und
kurzer Einschwingdauer nach Frequenzänderungen, wenn das
Loop-Tiefpassfilter und der Spannungshub des VCO richtig dimensioniert
sind. Der Umgang mit diesem IC ist recht einfach. Diese Erfahrung werden
sicher schon viele Schaltungsentwickler gemacht haben. Allerdings haben
manche kaum bemerkt, dass es im 4046 eine Schwachstelle gibt,
wenn das Eingangssignal an Pin 14 in Amplitude und Flankensteilheit
gerade noch Werte enthalten, so dass die Störung, von der gleich die
Rede sein wird, noch nicht auftreten kann. Bild 2 deutet den Problemfall
an. Der Sündenbock ist der Self-Biasing-Amplifier.
Die Phasenkomparatoren I und II benötigen digitale Signale. Beim Eingang
an Pin 3 ist dies in der Regel "automatisch" garantiert, weil er
entweder direkt vom VCO-Ausgang oder von einem einem
Frequenzteiler-Ausgang gesteuert wird. Auf den Eingang von Pin 14, der
als Signal-Input bezeichnet wird, ist das etwas anders. Gemäss
Datenblatt folgt auf diesen Eingang ein sogenannter
Self-Biasing-Amplifier. Die Frage ist natürlich was dieser mit dem
Eingangssignal anstellt? Das Datenblatt der CMOS-Version erlaubt
Eingangsspannungen mit typischen Werten zwischen 200 mV bis 700 mV, im
Bereich einer Betriebsspannung zwischen 5 VDC und 15 VDC, bei einer
Frequenz von 50 kHz, wenn man in Serie zum Eingang einen Kondensator von
1000 pF schaltet. Dieser Kondensator bildet mit dem Eingangswiderstand,
der typisch zwischen 2 M-Ohm und 200 k-Ohm im Bereich einer
Betriebsspannung zwischen 5 VDC und 15 VDC liegt, ein passives
Hochpassfilter erster Ordnung. Dazu kommt, dass die DC-Entkopplung durch
den Kondensator den Self-Biasing-Ampilifier in die Lage versetzt, den
Eingang auf die halbe Betriebsspannung zu justieren. Eine wichtige
Voraussetzung für die Triggerung mit kleinen Impulsamplituden.
Die Datenblätter von NSC und Motorola beschreiben diesen Spezialfall
unterschiedlich. Motorola schreibt bloss: The signal-input can be
directly coupled for a large voltage signal, or a capacitively coupled
to the self-biasing amplifier at the signal input for a small voltage
signal.
Fairchild und NSC gehen mehr ins Detail, jedoch nur bei der
HCMOS-Version 74HC4046. Das "Innenleben" des Self-Biasing-Amplifier
zeigt sich transparenter. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die
Schaltung des MC14046 (CD4046) und des 74HC4046 prinzipiell gleich
aufgebaut ist. Es stellte sich bei der Untersuchung auch heraus, dass
die CMOS- und die HCMOS-Version das selbe Symptom aufweist. Das nächste
Kapitel beschreibt dieses Symptom.
Verbotenes und Erlaubtes
Wer glaubt, es genüge mit einer niedrigen sinusförmigen Signalfrequenz
am Signal-Eingang Pin 14 - z.B. mit 50 Hz zwecks
Netzfrequenzsynchronisation - zu arbeiten, wie dies das Datenblatt
suggeriert, fällt sogleich auf die Nase. Es funktioniert auch dann
nicht, wenn eine grosse Signalamplitude vorliegt. Es funktioniert selbst
dann nicht befriedigend wenn der Signal-Eingang derart übersteuert wird,
dass die Sinusspannung zu einer Trapezspannung "mutiert". Der PLL rastet
nicht sauber und stabil ein. Es ist dabei irrelevant ob der
Signaleingang direkt oder kapazitiv gekoppelt ist. Wichtig ist einzig
die Amplitudensymmetrie um den halben Betriebsspannungswert. Wie diese
realisiert wird ist ebenfalls irrelevant. Fazit: Man muss selbst dafür
sorgen, dass der Signal-Eingang an Pin 14 ein Signal mit steilen
Flanken, wie es sich für digitale Signale gehört, bekommt. Nur dann
rastet der PLL problemlos ein und arbeitet stabil. Naja, stimmt das auch
wirklich?
Die typische Radio-Eriwan-Antwort lautet: "Im Prinzip ja, aber...", und
diese kommt hier auch zur Anwendung. Dazu zitiere ich nochmal den
"aufschlussreichen" Satz aus dem Datenblatt: The signal-input can
be directly coupled for a large voltage signal, or a capacitively
coupled to the self-biasing amplifier at the signal input for a small
voltage signal.
Da steht also, dass das Eingangssignal klein und gross sein darf. Hat
man einmal dafür gesorgt, dass das Eingangssignal steilflankig ist,
sollte der PLL mit einem grossen Eingangsamplitudenbereich perfekt
arbeiten. Mit dem minimalen Eingangsspannungswert arbeitet die PLL
gemäss Datenblatt gerade noch. Wer aber glaubt, gross bedeutet eine
Amplitude entsprechend der Betriebsspannung, wie dies bei CMOS üblich
ist, der irrt! Das Gemeine ist allerdings, man merkt es nicht gleich und
man kann viel Zeit mit der Fehlersuche verbringen, da der Fehler nur
sporadisch auftritt. Dies geschah mir und genau dies war die Motivation
diesen Artikel zu schreiben, der verhindern soll, dass andere sich
ebenfalls erst die Haare rauffen müssen, bis sie den Fehler gefunden
haben. Man beachte zunächst Bild 3, das zeigt, welche
Eingangsamplitudenwerte verboten und was erlaubt ist.
Die Teilbilder 3.1 und 3.2 zeigen ein Eingangssignal mit geringer Flankensteilheit, dargestellt als Dreiecksignal. Dieses Signal kann eine Spannung haben, wie im Datenblatt empfohlen, bis hin zum Maximalwert zwischen Vcc und GND, wobei man das Signal auch übersteuern (clippen) darf, - z.B. durch Begrenzung mit Kleinsignal-Siliziumdioden. Der PLL rastet in jedem Fall nicht stabil ein. Daher sind solche Signale nutzlos! Einzig Teilbild 3.3 zeigt das korrekte Eingangssignal, falls es grösser ist als die minimal geforderte Spannung, gemäss Datenblatt. Das Signal muss aber keineswegs ein symmetrisches Tastverhältnis haben wenn der Phasenkomparator II benutzt wird. Einzig steile Flanken zählen! Ein Rechtecksignal mit einer Amplitude zwischen Vcc und GND (Bild 3.4) ist allerdings zu unterlassen. Aber warum, wird sich der Leser fragen...
Im Falle von Bild 3.4, so wie es in CMOS-Logikschaltungen üblich ist, arbeitet der PLL lange Zeit problemlos, doch plötzlich rastet er kurzfristig aus und sogleich wieder ein. Es kann einige Minuten bis eine halbe Stunde oder auch mal länger dauern bis er wieder ausrastet. Manchmal aber gleich zweimal hintereinander.
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie aufregend die Sucherei ist, wenn
der Fehler nur derart selten in Erscheinung tritt, und alle Teile in
einem geschlossenen Regelkreis voneinander abhängig sind. Ich tippte
erstmal auf externe Störsignale, welche von aussen über die
Speiseleitung, über den Signalgenerator oder aber auch über die
Messleitung des Oszilloskopen oder Frequenzzähler einwirkten. Ich konnte
dies zwar kaum glauben, aber die Art und Weise wie diese Störung
auftrat, liess erst einmal den Gadanken an eine äussere Störquelle
aufkeimen. Ich machte dann versuchsweise alles was möglich war
niederohmiger, auch das Loop-Tiefpassfilter, - natürlich bei den selben
Zeitkonstanten. Auch das brachte nichts. Dann habe ich mal den
COMBISCOPE-Oszilloskopen PM3394A von analog auf digital umgeschaltet und
ich beobachtete akribisch das Feedbackeingangssignal an Pin 3 des
Phasenkomparators. Ich dehnte dabei die Zeitablenkung massiv, so dass
man den Phasenjitter gut beobachten konnte, der solange die PLL
eingerastet war, erwartungsgemäss sehr gering ist. Aber da beobachtete
ich ganz selten vereinzelte Phasenjitterereignisse die z.T. besonders
gross waren und einige Male passierte es, dass der PLL dabei ausrastete.
Damit verstand ich aber noch immer nicht warum dies passiert. Ich
studierte zunächst einmal lange um diese ganze Problematik herum und
dachte, was denn bloss die Ursache sein könnte.
Ursprünglich realiserte ich die Schaltung mit der CMOS-Version, also mit
dem MC14046B oder CD4046B und so beachtete ich das Datenblatt der
HCMOS-Version 74HC4046 nicht. Also wusste ich auch nichts über das
Innenleben des Self-Biasing-Amplifier. Ich überlegte,
wie sich wohl ein Operationsverstärker verhalten könnte, falls der
Self-Biasing-Amplifier daraus bestehen würde. Ich dachte an die
bekannten Inversionseffekte: Bei Übersteuerung des nichtinvertierenden
Eingangs invertiert plötzlich die Ausgangspannung. Dies würde
natürlich die Störung erklären und sie tritt eben dann selten auf,
wenn die Übersteuerung nur ganz knapp erreicht würde. Ein
Leser machte mich einestages darauf aufmerksam, dass ich das
Datenblatt des 74HC4046 einmal näher betrachten solle, weil dort der
Self-Biasing-Amplifier detailliert dargestellt ist. Meine
Operationsverstärkerthoerie löste sich rasch ins Nichts auf und ich
untersuchte die Angelegenheit von Neuem, denn der beschriebene Störfall
bleibt Tatsache und ich ging davon aus, dass der Self-Biasing-Amplifier
in der CMOS- und HCMOS-Version gleich realisiert ist.
Untersuchung des Self-Biasing-Amplifier und Phasenkomparator II
Bild 4 illustriert die Details des Self-Biasing-Amplifier. Dieser
besteht aus sechs CMOS-Inverterstufen, wobei die erste Stufe mittels
eines Widerstandes gegengekoppelt ist. Durch diese
Gegenkopplungsmassnahme regeln sich Ausgang und Eingang der ersten
Inverterstufe auf die halbe Betriebsspannung, wenn der Eingang Pin 14
offen ist oder über einen Kondensator mit einer Signalquelle verbunden
wird. Durch die Gegenkopplung wird erreicht, dass dieser Inverter als
linearer Verstärker arbeiten kann.
Interessant ist das Symbol des Widerstandes R, der mit den beiden
Strichen so ausieht als ob er kapazitiv mit Vcc und GND gekoppelt wäre
und man kann sich fragen wozu dies gut sein soll? Es scheint aber eher,
dass R ein spannungsabhängiger Widerstand ist, denn aus dem Datenblatt
der CMOS-Version CD4046B geht hervor, dass der Eingangwiderstand des
Self-Biasing-Amplifier bei einer Betriebsspannung von 5 VDC einen
Eingangswiderstand von 3 M-Ohm, bei 10 VDC nur 0.7 M-Ohm und bei 15 VDC
nur noch 0.3 M-Ohm hat. MC14046B hat mit 2 M-Ohm bis 0.2 M-Ohm etwas
geringere Werte. Je höher die Vcc-Spannung, um so niedriger diese
Widerstandswerte. Dies deutet darauf hin, dass die Eingangsschaltungen
bei der CMOS- und HCMOS-Version identisch sind und dass es sich bei R um
einen FET handelt, der eben nur als Widerstand arbeitet, aber von der
E-Feldstärke, bzw. von Vcc abhängig ist.
Diese erste Verstärkerstufe arbeitet nur deshalb als linearer
Verstärker, damit es durch ihn möglich ist kleine Spannungsamplituden
symmetrisch um den halben Betriebsspannungswert Vcc/2 zu verstärken, wie
die Datenblätter schliesslich erlauben. Die erste Stufe steuert bei
kleinen Amplitudenwerten noch nicht vollständig aus. Die beiden
Teilbilder in Bild 5 zeigen wie eine Dreieckspannung mit der ersten
Inverterstufe bis zum Clipping begrenzt wird. Die restlichen vier Stufen
sorgen durch die hohe Verstärkung für Vollaussteuerung und hohen
Flankensteilheiten, die den folgenden Komparatorschaltungen als
digitales Signal gerecht werden sollen...
Das obere Teilbild zeigt eine Direktkopplung des Eingangssignals. Dies
ist nur dann erlaubt, wenn das Signal die halbe Betriebsspannung
entsprechend den Daten im Datenblatt unter- und überschreitet. Ist dies
nicht realisierbar oder das Eingangssignal bezieht sich z.B.
amplitudensymmetrisch auf GND, wie dies das untere Teilbild illustriert,
muss man mit einem Kondensator C die DC-Spannung entkoppeln. Dadurch
bleibt am Ein- und Ausgang des ersten Inverters Vcc/2 als
Arbeitspunktspannung erhalten. Durch den Einsatz von C liegt man stets
richtig. Man muss sich gar nicht erst um die Bezugsspannung der
Signalquelle kümmern.
Dass sich die Signale zwischen dem ersten und zweiten Inverter und am
Ausgang des letzten so zeigen, wie abgebildet, ist nicht messbar, weil
diese Anschlüsse am IC nicht zur Verfügung stehen. Man kann bloss den
Schluss daraus ziehen, wenn man annimmt, dass diese CMOS-Inverter sich
ebenso verhalten wie z.B. die Inverter des Hex-Inverter-IC CD4069UB.
Dies ist aber überhaupt nicht sicher, weil die hintereinander
geschalteten Inverter der PLL-Schaltung 4046 bloss einen kleinen
Teil auf dem Chip ausmachen und so die Schaltungsarchitektur kaum exakt
4069-identisch ist und auch die Speisung an diesen Invertern IC-intern
nicht etwa extra kapazitiv abgeblockt ist. Durch die sehr dünnen
Leiterbahnen zeigen sich auch höhere parasitäre Induktivitäten. Dies und
anderes kann dazu führen, dass der gesamte Self-Biasing-Amplifier sich
nicht genau so verhält wie es zu erwarten wäre. Wir werden es noch
erfahren...
Die Testschaltung
Bild 6 zeigt die Testschaltung, welche mit +5 VDC gespiesen wird, mit
dem Self-Biasing-Amplifier und dem Phasen-Komparator II. Man verwendet
dazu am besten einen Funktionsgenerator mit einer fixen
Rechteckausgangsspannung (TTL), die man in der Regel als
Synchronisationssignal verwendet, und einer in Amplitude und Offset
einstellbaren Spannung, umschaltbar auf Sinus, Dreieck und Rechteck. Das
TTL-Synchronisationssignal legt man an COMP.-IN, während das
einstellbare Signal an SIGNAL-IN gelegt wird. Dieses Signal schaltet man
auf Rechteck. Nun beobachtet man mit einem Oszilloskopen die beiden
Signale SIGNAL-IN und PULSE-OUT, wobei die Triggerung auf die
ansteigende Flanke von SIGNAL-IN eingestellt wird. Man stellt die
SIGNAL-IN-Amplitude so ein, wie das mittlere Beispiel illustriert. Die
Impulsmaximalwerte liegen innerhalb der Betriebsspannung. Auf Grund von
Laufzeitverzögerungen, zeigen sich an PULSE-OUT feine negative
Nadelimpulse. Dies ist korrekt und stellt den eingeschwungenen
PLL-Zustand dar. Verschiebt man den Spannungsoffset des
SIGNAL-IN-Impulses so, dass sich seine Maximalwerte entweder ausserhalb
von Vcc (+5V) oder GND befinden, destabilisiert sich zeitweise PULSE-OUT
und wird unbrauchbar. Das selbe gilt, wenn man die Impulsamplitude
soweit erhöht, dass Vcc und GND über- und unterschritten werden. Diese
Störung ist bei der HCMOS-Version eher stärker ausgeprägt als bei der
CMOS-Version. Die Störung kann nicht durch einen zu hohen Strom am
Eingang des Pin 14 verursacht werden, wie man bei Übersteuerung dieses
Einganges annehmen könnte, weil auch ein massiv strombegrenzender
Widerstand in Serie zu diesem Eingang keine Verbesserung bringt.
Ich untersuchte noch den Störfall mit einem Dreiecksignal am Eingang
SIGNAL-IN. Wie bereits bekannt und in Bild 3 illustriert, arbeitet die
PLL-Schaltung nur mit einem Rechtecksignal wirklich stabil. Beobachtet
man auf dem Oszilloskopen PULSE-OUT bei einem niederfrequenten
Dreieicksignal an SIGNAL-IN, zeigt sich ein relativ grosser
Flankenjitter. Womöglich ist dies die Ursache dafür, dass die PLL nur
bei steilen Signalflanken am Eingang des SIGNAL-IN, wie im Falle eines
Rechtecksignales, stabil arbeiten kann.
Die Problemlösung
Es ging um die Realisierung eines 50Hz-netzfrequenzsynchronen
PLL-Frequenzmultiplier mit einer höheren Frequenz zwecks Ansteuerung
einer 50Hz-Notchfilterbank in Switched-Capacitor-Filter-Technik (SC) für
acht Kanäle. In meinem Elektronik-Minikurs
Langzeit-Timer-Schaltungen mit den
Frequenzteilern CD4020B und CD4040B spreche ich in Bild 8 und
zugehöriger Erläuterung den PLL-Frequenzmultiplier kurz an.
Wir befassen uns hier jedoch nur mit dem Problemfall Phasen-Komparator
II, genauer gesagt, mit dem Signaleingang. Die Schaltung war natürlich
schon fixfertig auf einem Print (siehe Titelbild), als ich den Fehler
entdeckte, da er nur spontan in grossen Zeitabständen aufrat. Die
Korrektur war aber einfach. Ich musste eine Leiterbahn auftrennen, einen
SMD-Widerstand und zwei antiparallel geschaltete Silizium-Dioden
einlöten. Diese beiden Dioden arbeiten als Spannungsbegrenzer. So
garantieren sie eine betriebssichere Impulsspannung mit einer Amplitude
von der doppelten Diodenflussspannung von etwa 1.3 Vpp. Seither arbeitet
der PLL-Frequenzmultiplier einwandfrei stabil mit der CMOS- und
HCCMOS-Version des 4046.
Da ich schon vor der Schaltungsdimensionierung wusste, dass der
Self-Biasing-Amplifier nur mit einer Rechteckspannung einwandfrei
arbeitet und PLL-Stabilitaet garantieren kann, realisierte ich mit dem
Timer-IC LMC555 (CMOS-Version) einen Schmitt-Trigger. Man kann ebenso
eine andere Schmitt-Triggerschaltung, z.B. 1/6 des ICs CD4584B
verwenden. Wie es mit dem Timer-IC LMC555 gemacht wird, ist ausführlich
beschrieben in:
Erweiterung: PLL-Problemlösung mit asymmetrischer Speisung
Bei der Betrachtung von Bild 7 stellt sich die Frage wie das Problem
gelöst wird, wenn die Schaltung anstatt mit einer symmetrischen Spannung
von zum Beispiel ±5 VDC mit einer asymmetrischen Spannung von +5 VDC
betrieben wird. Während die HCMOS-Version des PLL-IC 74HC4046 nur mit +5
VDC (+2 VDC bis +6 VDC) betrieben werden kann, eignen sich MC14046B und
CD4046B durchaus für Betriebsspannungen bis +15 VDC. +18 VDC ist
Worstcasegrenze! Bei der Anwendung dieser CMOS-ICs muss man wissen, je
grösser die Betriebsspannung ist, um so besser ist die Störimunität.
Geht man mit der Betriebsspannung allerdings zu nahe an die
Worstcasegrenze, wird die statistische Lebensdauer markant reduziert.
Eine Betriebsspannung von +12 VDC ist vernünftig.
Der Zweck der antiparallel geschalteten Dioden in Bild 7 unten ist es
eine symmetrische stabile Rechteckspannung um den GND-Pegel zu erzeugen,
die garantiert unterhalb der positiven und negativen Betriebsspannung
liegt, aber sicher grösser ist als die minimale Spannung betreffs
Datenblatt. In der positiven Wechselspannungsphase leitet D3 und erzeugt
mit ihrer Durchflussspannung eine Spannung von etwa +0.65 VDC. In der
negativen Wechselspannungsphase sorgt D4 für -0.65 VDC. Es resultiert
die symmetrische Rechteckspannung von etwa 1.3 Vpp. Beim Einsatz der
CMOS-Version und einer Betriebsspannung von 15 VDC, könnnen diese 1.3
Vpp unter Worstcasebetrachtung allerdings knapp werden!
Will man das selbe Prinzip bei einer asymmetrischen Speisung
(Single-Supply-Modus) anwenden, kann man die beiden Dioden nicht mit GND
verbinden. Das Rechtecksignal wäre nicht innerhalb von +Ub und GND.
Siehe dazu Bild 3.3 das zeigt was erlaubt ist. Um den selben Effekt zu
erzielen, müsste man den gemeinsamen Schaltpunkt der beiden Dioden auf
die halbe Betriebsspannung Vcc/2 setzen, was mit zwei zusätzlichen
Widerständen auch realisierbar und überhaupt nicht problematisch wäre.
Allerdings geht es auch einfacher, wie Bild 8 illustriert:
Anstelle der beiden Dioden D3 und D4 in Bild 7 gibt es zwei zusätzliche
Widerstände vor dem Signaleingang Pin 14. Ein Widerstand ist mit Vcc
positiven Betriebsspannung und ein anderer ist mit GND verbunden. Wählt
man alle drei Widerstände R gleich gross, so stellt sich zwischen
Betriebsspannung und GND eine symmetrische Rechteckspannung von einem
Drittel der Betriebsspannung ein. Die Amplitude des Rechtecksignales
passt sich mit dieser Methode stets der Betriebsspannung an.
Der Wert von R ist unkritisch. Er sollte nicht so niedrig sein, dass der
Ausgang des LMC555 unnötig stark belastet wird und nicht so hoch, dass
die Flankensteilheit am Signaleingang des PLL-ICs wegen parasitären
Kapazitäten leidet. Ein Wert von 10 k-Ohm ist bei niedrigen bis
mittleren Frequenzen ein vernünftiger Wert. Bei Anwendungen oberhalb 100
kHz empfiehlt es sich R eventuell niedriger zu wählen.
Netzfrequenzsynchronisation mit unterschiedlicher Gleichrichtung
Wie bei symmetrischer DC-Betriebsspannung die AC-Spannung zur
Netzfrequenzsynchronisation entnommen wird, zeigt Bild 3 in
Schmitt-Trigger mit CMOS-555-Timer... und Bild 7
in diesem Minikurs deutet es an. Mit Bild 9 soll zusätzlich gezeigt
werden, wie es bei asymmetrischer Speisung, also mit nur einer
Speisespannung, gemacht werden muss.
Es gibt zwei Methoden der Vollweggleichrichtung. Die Gleichrichtung im
oberen Schaltbild nennt man Mittelpunktgleichrichterschaltung. Dabei
werden zwei gegenphasige Wechselspannungen einweggleichgerichtet.
Besonders bei niedrigen Spannungen und grossen Strömen bietet diese Art
der Gleichrichtung gegenüber der Brückengleichrichtung den Vorteil des
geringeren Spannungsabfalles und damit geringeren Verlustleistung, weil
bei jeder Phase jeweils nur eine Diode leitet. Nachteilig ist, dass der
Trafo eine Mittelanzapfung oder zwei getrenne Sekundärwicklungen haben
muss. Die Gleichrichtung im unteren Schaltbild nennt man
Brückengleichrichterschaltung. In jeder Phase sind stets zwei Dioden in
Serie leitend. Mehr zum Thema Gleichrichter liest man in den Grundlagen
von Patrick Schnabel:
Betrachten wir in Bild 9 oben die Mittelpunktgleichrichterschaltung,
dann bemerken wir eine Übereinstimmung mit Bild 7. Die für die
Netzsynchronisation benötigte Wechselspannung wird direkt an der
Sekundärspule entnommen. Hier wird einfach zwischen dem einen Spulenende
und dem Mittelpunkt, der mit GND identisch ist, die Wechselspannung
entnommen. Diese Methode eignet sich für eine asymmetrische oder eine
symmetrische Betriebsspannung, also +Ub oder ±Ub. Voraussetzung ist
allerdings die Mittelpunktschaltung.
Im unteren Schalbild mit der Brückengleichrichterschaltung ist die Sache
ein ganz klein wenig komplizierter. Die Wechselspannung wird zwischen
GND des Brückengleichrichters und einer der beiden
Trafo-Sekundäranschlüsse entnommen. Es spielt dabei keine Rolle welchen
Anschluss man benutzt. Wie funktionierts? Nur dann wenn am oberen
Spulenende eine positive Wechselspannungsphase vorliegt, fliesst über R3
ein Strom durch den GND und von diesem über eine
Brückengleichrichterdiode zurück in das untere Spulenende. In R3
erscheint die Spannung einer positiven Sinushalbwelle. Während der
negativen Halbwelle bleibt die Spannung weg, weil durch R3 kein Strom
fliessen kann. Wir haben es mit einer Halbwellengleichrichterschaltung
zu tun. Wozu überhaupt R3? Während der der negativen sperrenden Phase
ist die Einweggleichrichterschaltung hochohmig, was zur Folge hätte,
dass C1 sich nicht entladen könnte. Der LMC555 würde am Ausgang keine
Rechtecksignale liefern. Für die Entladung von C1 sorgen R1 und R3,
wobei R3 wesentlich niederohmiger sein muss als R1.
Spannungsdiagramme am LMC555-Ausgang
Betrachten wir Bild 7 mit seiner symmetrischen Speisung, so fällt auf,
dass die Wechselspannung am Eingang des LMC555 symmetrisch zum GND-Pegel
liegt. Die Hysterese des als Schmitt-Trigger benutzten LMC555 ist
ebenfalls symmetrisch zum GND-Pegel. Dies hat zur Folge, dass das
Ausgangssignal des LMC555 ein Tastverhältnis von 50% hat. Auch das
Tastverhältnis ist also symmetrisch. Illustriert ist dies in Bild 10.1.
Mit Clipping wird gezeigt, dass die Sinusspannung dann beschnitten wird,
wenn dessen Scheitelwerte grösser sind als die positive und negative
Betriebsspannung plus die Diodenflussspannungen der Schutzdioden D1 und
D2 am Eingang des LMC555.
In Bild 9 oben schneidet die Schutzdiode D2 die negative
Sinushalbwelle weg. Der Hysteresemittelwert des LMC555
liegt wegen dessen asymmetrischen Speisung irgendwo innerhalb der
positiven Sinushalbwelle, wie dies Bild 10.2 illustriert. Aus dieser
Asymmetrie resultiert konsequenterweise ein Rechteckausgangssignal mit
ebenfalls asymmetrischem Tastverhältnis (nicht 50%). Der positive
Scheitelwert wird aus dem selben Grund beschnitten, wie im oberen
Abschnitt bereits beschrieben.
In Bild 9 unten liegt an R3, wie bereits beschrieben, eine positive
Halbwellengleichspannung vor. D2 wäre im Prinzip redundant. Ich empfehle
sie trotzdem. Doppelt genäht hält besser. Für diese Dioden eignen sich
die weltbekannten, traditionsreichen und äusserst preiswerten 1N4148
oder 1N914.
Für die vorliegende Anwendung einer PLL-Schaltung ist das Tastverhältnis
dann irrelevant wenn der Phasenkomparator II (siehe die Datenblätter zu
den 4046B) verwendet wird. Dies ist vielleicht die häufigste
PLL-Applikation mit dem 4046
Zum Schluss noch eine kleine Frage...
Mich würde von den Lesern interessieren, wer schon mit dem MC14046B, CD4046B oder 74HC4046 und dem integrierten Phasenkomaparator II eine PLL-Schaltung realisiert hat und es würde mich natürlich zusätzlich sehr interessieren, ob der Anwender mit dem Thema dieses Elektronik-Minikurses konfrontiert wurde. Man möge mir dazu ein paar Zeilen schreiben (E-Mailadresse auf der Indexseite unten).
Anhang 1: Transfer-Gate oder parallelgeschaltete MOS-Feldeffekt-Transistoren
Unterstützung des Lesers: Mathew S.B Neal von Atmel Germany GmbH
Es geht dabei um den zweiten Textabschnitt mit Bild 4 unter dem Kapitel
"Untersuchung des Self-Biasing-Amplifier und Phasenkomparator
II". Herrr Neal schrieb mir, dass hochohmige integrierte Widerstände
in CMOS-ICs in der Regel sogenannte Transfer-Gates sind. Als Alternative
werden manchmal auch parallelgeschaltete MOS-Feldeffekt-Transistoren
verwendet. Beim hier behandelten Self-Biasing-Amplifier wurde ein
Transfer-Gate implementiert.
Das von Herrn Neal beigelegte Bild (siehe unten) illustriert links den
Widerstand, in der Mitte des Bildes das Transfer-Gate und rechts die
parallelgeschalteten MOS-Feldeffekt-Transistoren:
Anhang 2: Vorsicht vor unerwünschter Phasenverschiebung!
In einer Diskussion im ELKO-Forum machte mich ein Christian
darauf aufmerksam, dass gemäss Bild 9 (unteres Schaltbild) zwischen
dem Ausgang des LMC555 und der Wechselspannung an der Sekundärwicklung
des Trafo eine signifikante Phasenverschiebung auftritt, wie das oben
im Oszillogramm gezeigt wird. Das blaue Diagramm ist diese
Wechselspannung, das grüne ist die Halbwellengleichspannung, gemessen
am Knoten von R1 (100 k-Ohm) und R3 (10 k-Ohm) und das gelbe
Rechtecksignal ist der Ausgang des LMC555.
Es gibt zwei Gründe wie es zu einer Phasenverschiebung kommt:
1. Es ist das passive Tiefpassfilter, bestehend aus R1 und
C1. Die Grenzfrequenz ist mit bloss 22.6 Hz sehr niedrig
gewählt. Hauptgewicht bei einem Projekt war maximale
Störunterdrückung, die Phasenverschiebung war egal. Für viele
Anwendungen genügt jedoch auch eine höhere Grenzfrequenz mit
entsprechend geringerer Phasenverschiebung. Wenn es nur darum geht
allfällig hochfrequente Störimpulse zu unterdrücken, genügt eine
Grenzfrequenz im kHz-Bereich. Wenn es jedoch auch auf eine sehr gute
Unterdrückung von Rundsteuersignalen ankommt, muss man eine niedrige
Grenzfrequenz wählen oder man dimensioniert ein aktives Tiefpassfilter
höherer Ordnung, das exakt eine Phasenverschiebung von 180 Grad
bewirkt. Wie man so etwas macht, zeigt folgender Elektronik-Minikurs:
2. Der mit dem LMC555 aufgebaute Schmitt-Trigger hat
systembedingt eine grosse Hystere. Man konsultiere dazu das
Datenblatt. Wenn man dort die Schaltung anschaut, erkennt man, dass
die Schaltschwellen immer bei 1/3 und 2/3 der Betriebsspannung
betragen. Auch das gibt eine signifikante Phasenverschiebung, die auch
von der Amplitude der Eingangsspannung beim LMC555 abhängig ist.
Diese grosse Hystere hat selbst schon ein hohes Mass an
Störsignalunterdrückung.
Ganz nebenbei, im Kapitel Spannungsdiagramme am LMC555-Ausgang
ist das Thema Phasenverschiebung (Bild 10.1 /10.2) bereits angedeutet...